Natrix natrix cypriaca





Einleitung:
Die Zypern-Ringelnatter ist eine der seltensten und bedrohtesten Schlangen Zyperns.
Sie wurde erstmals als „water snake“ von Dr. J. Sibthorb beschrieben, als dieser 1787 Zypern besuchte.
In 1888 beschrieb Boulenger sie in seiner Arbeit „On Reptiles and Batrachians from Cyprus“ als Tropidonotus natrix.
Einst war diese Schlange auf Zypern sehr häufig, aber man nahm an, dass sie in den frühen 1960er Jahren ausstarb. 1992 wurde eine kleine Population von H. Wiedl wiederentdeckt.
Diese und eine andere kürzlich entdeckte Population sind so klein, dass sie dringend Schutz bedürfen!

Verbreitung:
Nordwest Afrika, Iberien, Mittel- und Osteuropa, Mittelengland, Skandinavien bis zu 670m ü NN, desweiteren auf Korsika, Sardinien, Sizilien, in Italien, im Balkan, Griechenland, auf vielen Ägäisinseln, Türkei, südliches Russland, Nord-Iran, Asian bis zum Baikalsee. Die zyprische Form wird als endemische Unterart angesehen.
Fundorte:
Sie können bis auf 700m ü. NN gefunden werden. An Dämmen und Flüssen in den nördlichen Ausläufern des Troodos Massivs und darüber hinaus an einem See im Osten der Insel. Die älteste archäologische Stätte auf Zypern brachte ein Fossil einer Natrix natrix hervor, welche vor 10.000 Jahren auf der Insel lebte. Dies zeigt uns, dass diese Art bereits lange genug isoliert ist um den Unterartstatus zu rechtfertigen.
Beschreibung:
Die Maximallänge von 100cm wird selten überschritten wobei Weibchen größer werden als Männchen. Es sind schlanke ungiftige Wassernattern mit einem deutlich abgesetzten rundlichem Kopf und runden Pupillen. Die Farbe variiert und bei dieser Unterart sind drei Farbmorphen bekannt. Die normale Färbung hat einen grauen, beigen oder dunkelbraunen Untergrund mit runde dunkelbraunen Flecken oder Streifen im dorsalen und lateralen Bereich. Es können auch viele Melanisten (einfarbig schwarze Tiere) gefunden werden. Es gibt auch ein paar dunkelbraune Exemplare die mit kleinen, hellen Sprenkeln versehen sind (genannt Picturara), welche wahrscheinlich Hybriden zwischen den normal gefärbten und den Melanisten sind. Der Bauch ist weiß mit schwarzen Blöcken bis hin zu einfarbig schwarz bei den Melanisten. Die Analschuppen sind geteilt, während sie bei der ebenfalls auf Zypern vorkommenden Vipera lebertina nicht geteilt sind. Bei beiden Arten sind die Dorsalschuppen gekielt.
Habitat:
Dämmerungs- und manchmal auch nachtaktiv. Sie leben hauptsächlich aquatisch und bevorzugen feuchte Gebiete an Flüssen und Dämmen. Im Falle einer Störung versuchen die Schlangen ins Wasser zu fliehen und tauchen. Natrix sind gute Schwimmer und jagen ihre Beute im Wasser. Wird sie gehändelt, beißt sie nicht, aber sie versucht sich durch das Absondern eines stark übel riechenden Sekrets aus den Analdrüsen zu verteidigen. Diese Art kann hauptsächlich zwischen Ende März und Ende Oktober angetroffen werden. Manchmal sieht man sie bei passenden Wetterbedingungen auch im Winter. Ihre Hauptaktivitätszeit scheint zwischen Mai und August zu liegen. Paarungen finden zwischen Mai und Juni statt, die Eiablage zwischen Juli und August und die Jungtiere schlüpfen zwischen September und Oktober. In Gefangenschaft legen die Tiere vier bis neun Eier. Über die Gelegegrößen wildlebener Tiere ist nichts bekannt.
Nahrung:
Sie sind echte Futterspezialisten. Ihre Hauptnahrung stellen Frösche (Rana levantina) dar, sehr selten auch Fisch (Cyprinus carpio).
Feinde:
Menschen, die sie auf Ignoranz töten sowie andere Schlangen

Maßnahmen zum Erhalt und Informationen an die Öffentlichkeit:
Es scheint, dass das Fangen für private Halter die größte Gefahr für diese Art darstellt.
Aus diesem Grund ist es notwendig die Kontrollen gegen das Einsammeln zu verstärken. Die Öffentlichkeit wird gebeten jeden der Polizei zu melden, der Ringelnattern jagt oder fängt.
Die Menschen sollten lernen diese Schlange zu erkennen und zu respektieren. Ausserdem sollten sie bedenken, dass sie harmlos und vom Aussterben bedroht sind.




Hans-Jörg Wiedl, Schlangenforscher aus Passion

Hans-Jörg Wiedl ("Snake George"), der Wiederentdecker (1992) und erfolgreichen Züchter der verschollenen zypriotischen Ringelnatter ( Natrix n. cypriaca ) setzt sich vor Ort für den Schutz der Herpetofauna Zypern`s durch Zuchtvorhaben und Aufklärungsarbeit der Bevölkerung in seinem Reptilienpark in Paphos ein.


Eure Hilfe wird dringend benötigt !

Hans-Jörg Wiedl hat eine Petition bei der EU eingereicht um zu erreichen , dass die zypriotische Regierung endlich etwas für den Schutz dieser vom aussterben bedrohten Art unternimmt.
Hierfür werden dringend mehr Stimmen gebraucht. Bitte tragt euch einfach online in das Formular ein.
Es werden mindestens 1000 Stimmen benötigt um etwas zu bewirken. Bitte leitet dies an so viele Leute wie möglich weiter. Mit eurem Eintrag unterstützt ihr einen sehr sinnvollen Versuch eine vom aussterben bedrohte Art zu retten.

Mehr Informationen hier



Seine Geschichte :
Ein Naturbursche / Von Bernhard Maier

Unter seinem bürgerlichen Namen ist der Österreicher in Paphos/Zypern niemandem bekannt. Von den Einheimischen wird er Snake George genannt.
Sich als Schlange bezeichnen zu lassen, empfindet der 55jährige keineswegs als beleidigend.
Reptilien hat Wiedl sein Leben gewidmet. Seine erste Schlange hat er im zarten Alter von vier Jahren gefangen.

Der Liebe des gebürtigen Innsbruckers zu Schlangen und Eidechsen wurde vor allem während seiner Kindheit, die er in Bregenz verbrachte, wenig Verständnis entgegengebracht.
Das äußerte sich nicht zuletzt darin, daß er kaum Freunde hatte. „Ich war abgestempelt zum Außenseiter", erinnert sich George, der nun selber zwei Töchter hat. In den Nachkriegsjahren gab es andere Probleme, als einen Frosch am Bodensee zu fangen · besonders für die Mutter Wiedls und ihren Lebensgefährten, die zusammen acht Kinder zu ernähren hatten. Auch in der Schule wurde sein Interesse als Unfug abgetan stets mit dem Hinweis, er solle sich mit etwas „ordentlichem" beschäftigen.

Während seiner Zeit als Präsenzdiener in Innsbruck war es üblich, jeden Soldaten einmal „zwangsfreiwillig" im Alpenzoo Innsbruck für einen Tag aushelfen zu lassen. Im Gegensatz zu seinen Kameraden war Wiedl die Arbeit in der Natur ein Vergnügen, weshalb er sich mehrmals zu diesem Dienst meldete. Sein Eifer blieb dem damaligen Zoodirektor Professor Hans Psenner nicht verborgen, der dem wißbegierigen Soldaten Zugang zur Bibliothek des Innsbrucker Instituts für Zoologie verschaffte. Dort konnte George endlich seinen herpetologischen Wissensdurst stillen.
Nachdem der gelernte Weber sechs Jahre als Matrose unter anderem bei der deutschen Handelsmarine zur See gefahren war, machte er in den Jahren 1973 und 1974 Bekanntschaft mit den zypriotischen Kaltblütern. Im Dienst der UNO- Friedenstruppe patrouillierte er in der Pufferzone zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil der Insel. Seitdem erforscht er die Reptilien Zyperns, die auf dem heiß-trockenen Eiland ideale Lebensbedingungen vorfinden. Erstaunlich daher, daß von der Schlangenwelt des Geburtsortes der Aphrodite bislang weniger bekannt ist als von der des afrikanischen Kontinents, so Snake George über sein Forschungsgebiet, in das er 1986 seinen Wohnsitz verlegt hat.
Rot-weiß-rotes Terrarium

Die ersten Forschungsversuche während seiner Zeit bei den Blauhelmen stießen bei den Vorgesetzten zunächst auf Widerstand. Als Wiedl mit einem LKW beim UN- Stützpunkt vorfuhr, um ein neun Meter langes Terrarium, eine Sonderanfertigung des örtlichen Tischlers, abzuladen, wurden Bedenken laut, der Reptilien-Freak könnte sich mit der zypriotischen Fauna nicht begnügen und Krokodile in seinem Gehege einquartieren. Wiewohl diese Idee Wiedl reizvoll erschien, hatte er freilich anderes im Sinn. Mit der Rückendeckung eines jungen Leutnants, der studierter Zoologe war, konnte Snake Geoge die Errichtung seines Terrariums auf dem rot-weiß-roten Stützpunkt durchsetzen, der deshalb bald zum beliebten Ausflugsziel von UN-Soldaten anderer Länder wurde.
Snake George ist ein Naturbursche wie er im Buche steht. In Österreich war er ehrenamtlicher Naturwächter im Auftrag der Bezirkshauptmannschaft. Unentgeltlich wanderte er durch die heimischen Wälder und achtete auf die Einhaltung von Naturschutzbestimmungen. In Zypern durchstreift er die Täler und Schluchten des grünen Trodoos-Gebirges auf der Suche nach Echsen, Schlangen und Skorpionen. Ist er einmal fündig geworden, so beobachtet er die Tiere, um ihr Verhalten zu studieren.
Aufgrund seiner intensiven Beschäftigung mit Reptilien konnte Snake George bereits mit einigen wissenschaftlich Erfolgen auftrumpfen, die ihm in internationalen Fachkreisen einen Namen geschaffen haben. Er war es, der die Ringelnatter wiederentdeckte, von der man die letzten 50 Jahre lang geglaubt hatte, sie wäre ausgestorben. Weiters entdeckte er zwei Mutationen der Natter, die zuvor unbekannt waren. In älteren herpetologischen Schriften wird von der Levante-Otter behauptet, sie würde lebend gebären. Der austro-zypriotische Kriechtierkapazunder belehrte die Fachwelt eines besseren. Er beobachtete das Tier beim Eierlegen.
Um sein Wissen weiterzuvermitteln, hat Snake George 1996 einen Reptilienpark etwas außerhalb von Paphos eröffnet. Paphos, das von der UNESCO wegen seiner antiken Mosaike zum Weltkulturerbe ernannt wurde, ist seitdem nicht nur Pilgerstätte für Archeologen sondern auch für Herpetologen. In riesigen Freiluft-Terrarien sind Reptilien in ihrer natürlichen Umwelt zu sehen. Auf die Authentizität der Lebensbedingungen wurde dabei peinlich genau geachtet. George verfrachtete daher auch Steine, Pflanzen und Erde des Ortes, an dem ein Tier gefangen wurde, in seinen Park, womit er sicherstellte, die richtigen Insekten anzulocken.
Tote Tiere vor der Türe

Von den Zyprioten erfährt Wiedls Projekt kaum nennenswerte Unterstützung. Auf Zypern gilt im allgemeinen nur eine tote Schlange als gute Schlange, obwohl nur wenige von ihnen giftig sind. Wiewohl insbesondere die Hotelbesitzer der Stadt Paphos immer wieder bei George anrufen, dessen Nummer als „Schlangen-Notruf" gilt, wenn ein Tierchen auf dem Gelände des Hotels erspäht wurde, genießt die Arbeit mit den Reptilien kein Ansehen. Um ihn zu provozieren, bringt man George erschlagene Schlangen oder legt sie vor seine Tür.
Unermüdlich versucht der gutmütige Schlangen-Mann in solchen Fällen, den Einheimischen die Unsinnigkeit ihrer „heldenhaften" Mordtat am wehrlosen Kaltblüter klar zu machen. Als aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen will er seine Versuche, die Aufgaben der Schlange im Öko-System der Insel zu erklären, nicht sehen. Es gibt genug Schlangenbegeisterte in Zypern. Diese sind allerdings in der Minderheit, getrauen sich manchmal gar nicht ihrer Reptilienliebe zu bekennen und können daher der mehrheitlich schlangenfeindlichen Gesinnung nur wenig anhaben.
Zu Wiedls Freunden zählen ausdrücklich jene Schlangenbesitzer nicht, die sich ein Terrarium mit einer Giftschlange ins Wohnzimmer stellen, um damit zu imponieren. „Das ist wie mit Kampfhunden oder wenn Du Dir ein Gewehr oder eine Pistole zulegst. Da ist oft nur Macho dahinter.", wettert der sonst beschaulich ruhige George, der auch mit den giftigen Arten der stummen Reptilien auf Du und Du ist und so gar nicht dem Klischee eines Crocodile-Dundee entspricht. Auch die Besucher, die in seinen Park kommen und bloß die wenigen todbringenden Exemplare (nur drei an der Zahl) sehen wollen, kann er nicht verstehen, da sie offensichtlich kein Auge für die Schönheit der Tiere haben.
Wer den Park besucht, braucht Zeit, denn beim eiligen Durchhasten sieht man nicht mehr als ein paar Pflanzen, Tümpel und Steine. Um die Tiere, die ihrer Umwelt farblich nahezu gleichen, in den Terrarien zu enttarnen, bedarf es der Ruhe und derlängeren Beobachtung. Sie in einem seltenen Augenblick der Bewegung zu erleben, erfordert weitere Geduld. Ungeduldigen Aufforderungen, die Tiere zu stören und sie damit in Bewegung zu setzen, kommt Snake George nicht nach.
Undankbarer Nutznießer des Parks ist letztendlich der zypriotische Fremdenverkehr. Abgesehen von einer Briefmarken-Kollektion, auf der Snake Georges Schlangen abgebildet sind, war der Park der Regierung eine einmalige Spende von lächerlichen 250 zypriotischen Pfund (etwa 5700 Schilling) wert. Die Kosten der Errichtung beliefen sich auf über eine halbe Million Schilling. Umso mehr Antrieb gibt Snake George eine Auszeichnung der Republik Österreich. Am 22. April 1998 verlieh Bundespräsident Thomas Klestil dem Schlangenforscher, den man bei seiner Bewerbung als Hilfskraft in der Reptilienabteilung des Tiergartens Schönbrunn abblitzen ließ, für seine Arbeit im Auftrag des Artenschutzes das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.
Teures Lebendfutter

Freilich, auch um diese Auszeichnung kann sich Snake George nichts kaufen. Geldmangel ist daher nach wie vor sein ständiger Begleiter auf dem Weg zu neuen Entdeckungen der Herpetofauna Zyperns. Um die enormen Kosten für Lebendfutter seiner Reptilien zu senken, will er einen klimatisierten Schiffscontainer anschaffen, der zur Zucht von Mäusen dienen soll. Sponsoren werden noch gesucht. Daß Forschung in seinem Fall hart verdientes Brot bedeutet und sicher keine Reichtümer beschert, war Snake George von allem Anfang an klar. Leicht wollte er sich's aber nie machen und bereut · allen Unbilden trotzend · nichts. „Ich habe mich dafür entschieden. Komme was wolle." Seine Kraft verdankt er neben der Liebe zur Natur nichtzuletzt seiner Frau, einer zypriotischen Krankenschwester, die mit ihm die Entbehrungen des Forscherdaseins zu teilen gewillt ist. Daß der Lebensweg, den er eingeschlagen hat, keiner eines Normalverbrauchers ist, gesteht er unumwunden ein: „Man muß schon verrückt sein!"

Kontaktadresse: Hans-Jörg Wiedl „Snake George", P.O.Box 2133, CY-8060 Paphos, Zypern, Tel. 00375/6/238160, Fax 00375/6/621683
Email:snakegeorge@hotmail.com
www.snakegeorge.com/

Leider mußte er mangels Unterstützung Zypern verlassen.Hier ein aktueller Bericht:

Don Quijotes Kampf gegen Windmühlen ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was dieser Mann zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat:
Hans-Jörg Wiedl, 67 Jahre alt, Naturschützer aus dem Lechtal in Tirol, will das Bewusstsein einer ganzen Nation sensibilisieren. Seine Liebe gehört der Mittelmeerinsel Zypern mit ihrer artenreichen Amphibien- und Reptilienwelt. Seine Kampfansage gilt dem Gefühl aus Hass und Angst, das in der Bevölkerung in Bezug auf Schlangen extrem tief verwurzelt ist.
Schlangen sind bei den meisten Völkern der Erde nicht wirklich beliebt. Die Furcht vor besonders giftigen oder großen Arten mag auch berechtigt sein.
Aber von Natur aus sind es scheue, genügsame Tiere, die alles andere im Sinn haben, als den Menschen anzugreifen.
Wiedl ist ein ähnlicher Typ: ruhig, bescheiden, zurückhaltend. Er stammt aus ärmsten Verhältnissen, besitzt ein großes Herz, aber keine großen Titel und ist eine Kapazität in der Reptilienforschung. Gerade hat er sein viertes Buch veröffentlicht.
Aufbrausend reagiert Wiedl nur dann, wenn es seinen Lieblingen an den Kragen gehen soll. Sein Spezialgebiet ist ausgerechnet Zypern – die Höhle des Löwen. „Leider ist dort nur eine tote Schlange eine gute Schlange“, beklagt der freundliche Österreicher, der seit 25 Jahren in Zypern Aufklärungsarbeit bis fast zur Selbstaufgabe leistet.
Wer auf der Insel eine Schlange tötet, hat Schlagzeilen und Anerkennung sicher. Das war schon immer so.
Zyprioten mögen in der Mehrzahl liebenswerte Menschen sein, doch ihr Respekt vor der lebenden Kreatur endet zumeist beim Anblick dieser Tiere. Je größer das umzubringende Exemplar, desto größer der Ruhm: Das Schutz suchende Reptil wird gesteinigt, enthauptet oder gar zerstückelt. Solche Hinrichtungen nach mittelalterlicher Methode gelten bei der Masse bis heute als Heldentaten. Die Polizei drückt für gewöhnlich beide Augen zu, obwohl sieben der acht in Zypern heimischen Schlangenarten unter Naturschutz stehen.
Nur die giftige Levante-Otter oder auch „Fina“ kriecht ungeschützt daher, weswegen sie auch in ihrer Existenz bedroht ist. „Jeder, der eine Schlange totschlägt, behauptet einfach, es sei eine Fina gewesen – und ist aus dem Schneider“, sagt Wiedl. „Deshalb muss auch die Levante-Otter geschützt werden. Dann kann sich niemand mehr ausreden. Noch wird derjenige bestraft, der zu schnell Auto fährt, aber nicht der, der eine geschützte Schlange tötet. Was für ein verrücktes Gesetz!“
Die besagten „Heldentaten“ treiben Wiedl vor Ohnmacht jedes mal Tränen in die Augen.
Der frühere UNO-Soldat, von 1973 bis 1975 zur Sicherung der griechisch-türkischen Grenze auf Zypern eingesetzt, kennt die Schlangen-Vielfalt der Insel besser als jeder andere. Deshalb weiß er genau, wie wichtig diese Tiere für das Ökosystem sind – unter anderem, weil sie Mengen an Ratten und Mäusen vertilgen. „In den schlangenarmen Gegenden jammern die Leute bereits heute über Rattenplagen. Gleichzeitig sind ihnen Amphibien und Reptilien aber egal. Da stimmt doch was nicht.“
Seit 1986 lebt der Tiroler permanent im griechischen Süden Zyperns. Dort ist er verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und sein Leben der Erforschung der Amphibien und Reptilien (Herpetofauna) verschrieben. Oft muss er beobachten, dass ein zeitgemäßes Umdenken im Sinne eines weltweiten Natur- und Artenschutzes nur schleppend funktioniert. Seine Erfahrung und Kooperationsangebote werden von den Behörden nicht wirklich gewünscht oder unterstützt. Wer sich auf Zypern für Schlangen einsetzt, hat keine Lobby.
Trotzdem ist Wiedl inselweit bekannt wie ein bunter Hund. Fast jeder hat von ihm gehört, über ihn gelesen oder selbst mit ihm über Schlangen diskutiert. Doch kaum jemand kennt den Österreicher unter seinem bürgerlichen Namen. Auf Zypern heißt er überall „Snake George“. Die Popularität verdankt er nicht nur seinen Interventionen bei biotopfressenden Straßenbau- oder Hotelprojekten, sondern vor allem einem kleinen Reptilienpark, den er von 1995 bis 2009 bei Paphos aufopferungsvoll und ohne jede öffentlichen Fördermittel betrieben hat. In Freiland-Terrarien, bescheiden aufgebaut aus eigenen Mitteln und vereinzelten Spenden, zeigte er Touristen wie Einheimischen die versteckte Schönheit der heimischen Lurche und Kriechtiere. Dabei galt sein Hauptaugenmerk weniger der alten, von Vorurteilen geprägten Generation. „Snake George“ hat besonders gern mit Kindern gearbeitet, um sie in Naturschutzfragen positiv zu beeinflussen, bevor sie dem Irrglauben ihrer Eltern oder Großeltern verfallen, dass Schlangen zwangsläufig Monster seien. Mehr als 10.000 neugierige Schüler begeisterte er über die Jahre mit seinem Park. Nebenbei entdeckte der Forscher Erstaunliches: So konnte er nachweisen, dass die Levante-Otter, die als lebendgebährend galt, Eier legt. Ihm gelang die erste Nachzucht des seltenen Tüpfelskinks. Er belegte auch, dass sowohl das Chamäleon als auch die winzige Wurmschlange schwimmen können. Europaweites Aufsehen hatte „Snake George“ mit der Wiederentdeckung der zypriotischen Ringelnatter erregt. Die Art galt seit 30 Jahren als ausgestorben – bis er sie 1992 in drei Biotopen aufspüren konnte. Die Funde werten seine Naturschutzarbeit insgesamt enorm auf: TV-Dokumentationen werden überall in Europa gesendet. Wiedl gibt Interviews im Radio und in Zeitungen. Während die zypriotischen Behörden sein ehrenamtliches Engagement lediglich zur Kenntnis nehmen, ehrte ihn die Republik Österreich mit höchster Auszeichnung: Als erster Nicht-Akademiker überhaupt bekam er 1998 vom damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen. Den Würdenträger macht das noch heute stolz, aber auch – mit Blick nach Zypern – sehr betroffen. Denn dort passiert zum Schutz der wiederentdeckten Ringelnatter gar nichts, obwohl die EU-Mitgliedschaft dazu verpflichten würde. Heute ist eines der drei Vorkommen der Ringelnatter bereits erloschen, die beiden anderen stehen kurz davor. Umweltverschmutzung, die Ausdehnung der Zivilisation, den Massentourismus und nicht zuletzt die Schießwut der 60.000 Jäger Zyperns macht Wiedl für den Niedergang der Herpetofauna verantwortlich – bei gleichzeitiger Untätigkeit der zuständigen Ministerien. Gerne hätte „Snake George“ seinen Reptilienpark erweitert, um Zuchtprogramme für die seltensten Arten zu realisieren. Doch seit Auslaufen des Pachtvertrages Anfang 2009 konnte er aus Mangel an Geld und geeigneten Partnern kein neues Park-Projekt auf die Beine stellen. Der Schlangenforscher musste alle seine Tiere freilassen. Aufgeben will er aber nicht. Aktuell zieht ein kleiner Silberstreif am dunklen Horizont auf: EU-Gelder in Höhe von 1,2 Millionen Euro sollen in den Schutz bedrohter Tiere auf Zypern fließen – davon 80.000 Euro in ein Studenten-Projekt zur Rettung der Ringelnatter. „Der Betrag wird zwar nicht ausreichen, aber es ist endlich ein Anfang. Wenn die Studenten meine Hilfe brauchen, stehe ich jederzeit zur Verfügung.“